<
4 / 421
>
 
08.12.2022

Unternehmensnachfolge: „Machen Sie die Braut hübsch!“

Unternehmerinnen und Unternehmer, die eine Nachfolgeregelung auf den Weg bringen wollen, tun gut daran, ihren Betrieb möglichst attraktiv herzurichten. Warum das heute wichtiger denn je ist, und wie man dabei vorgehen sollte, darüber haben sich jetzt Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Handwerksbetriebe aus der Grafschaft bei der Kreishandwerkerschaft Grafschaft Bentheim (KH) in Nordhorn informiert.



Aktuelles Thema in Handwerk und Mittelstand„Kein Gebrauchtwagenhändler würde mit einem ungepflegten Wagen in die Ausstellung gehen. Also: machen Sie die Braut hübsch!“ So brachte Referentin Kerstin Meyer-Leive von der Projektplan Venture Consult GmbH aus Osnabrück ihren zentralen Ansatz für den Nachfolgeprozess auf den Punkt. Fakt ist: Auf den Unternehmenswert zahlen verschiedene Faktoren ein. Auf einige von ihnen, wie die Marktsituation, die Perspektiven oder mögliche Risiken können Unternehmen selbst nur sehr bedingt Einfluss nehmen. Andere wiederum bieten aus Sicht der Referentin durchaus gute Ansatzpunkte, um ein Unternehmen „hübsch zu machen“.


In ihrem Vortrag rückte sie dabei insbesondere den Faktor Wissen in den Fokus. In jedem Unternehmen gibt es einen Wissensfundus, ohne den effiziente Arbeit nicht möglich ist. Das Problem: Oft verfügen nur einzelne oder wenige Mitarbeitende über bestimmte, relevante Kenntnisse. Ein Ausfall oder der Weggang dieser Personen stellt also ein nicht unbeträchtliches Risiko dar, das auch in der Unternehmensbewertung eine große Rolle spielt. Gefragt ist aus Sicht der Expertin daher ein konsequenter Wissenstransfer und die dauerhafte Konservierung aller relevanten Informationen. Da ein Wissenstransfer in Schriftform oder über persönliche Gespräche zu fehleranfällig sei, brachte die Expertin eine digitale Alternative ins Spiel: den Wissenstransfer per Video. „Wissensmanagement mithilfe von Videos spart Zeit, Geld und Nerven. Videos, in denen Mitarbeitende ihr Wissen weitergeben, sind mit dem Smartphone vergleichsweise schnell gemacht und die Erfahrung zeigt, dass neue Mitarbeitende mithilfe derartiger Videos schneller arbeitsfähig werden“, erläuterte die Referentin. Die technische Basis dafür bieten spezielle Videoplattformen, die dann im Unternehmen als zentrales Wissensarchiv implementiert und genutzt werden können. Die Videos werden dort eingestellt, kategorisiert und mit Schlagworten versehen, sodass sie im Nachgang über eine entsprechende Stichwortsuche einfach wieder abgerufen werden können.

Kerstin Meyer-Leive betonte zudem, dass es für die Einführung dieser und anderer Systeme, die zur Steigerung des Unternehmenswertes beitragen, interessante Förderprogramme gibt. Förderfähig sind unter anderem Projekte zur Gestaltung der Unternehmensstrategie, der Nachfolge, der Digitalisierung, aber auch die Anschaffung von Hard- und Software. Im Schnitt, so die Erfahrung der Expertin, die Unternehmen auch bei der Beantragung der Förderungen berät, übernehmen die Förderstellen dabei etwa die Hälfte der Projektkosten.

„Die Unternehmensnachfolge brennt auch im Handwerk vielen Unternehmerinnen und Unternehmern unter den Nägeln. Umso wichtiger ist es uns als KH, dass wir den Innungsmitgliedern bei diesem Prozess aktiv zur Seite stehen. Kerstin Meyer-Leive hat mit ihrem Vortrag dazu einen wertvollen Beitrag geleistet“, freute sich KH-Geschäftsführer Sascha Wittrock im Anschluss an die Veranstaltung.

Bildquelle: AdobeStock/Gundolf Renze