21.01.2016
“GenerationenWerkstatt“ im Handwerk auf Erfolgskurs
Nach fünf Pilotprojekten im Jahr 2014 hat die „GenerationenWerkstatt“ 2015 ihr ganzes Potential entfalten können: 18 Projekte konnten im letzten Jahr realisiert werden. Fast 100 Schüler haben ihr Teilnahme-Zertifikat erhalten.
Als die Osnabrücker Ursachenstiftung 2014 mit der „GenerationenWerkstatt“ anfing, schlug den Initiatoren noch Skepsis entgegen. Doch mittlerweile haben sich Praktikabilität und Nutzen des Projekts herumgesprochen: 17 Handwerksbetriebe im Handwerkskammerbezirk Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim führten bisher insgesamt 23 „GenerationenWerkstätten“ durch. Kleine Schülergruppen aus Schulen in ihrer Nähe waren über einen längeren Zeitraum jeweils an einem Nachmittag pro Woche bei ihnen zu Gast, um an einem eigenen Projekt zu arbeiten. „Ziel des Ganzen ist es, Jungen möglichst früh für Handwerksberufe zu begeistern“, erklärt Initiator Johannes Rahe von der Ursachenstiftung. Gerade im Alter von 12 bis 15 haben es viele von ihnen in der Schule nicht leicht. Die handwerkliche Tätigkeit im Betrieb bringe ihnen neues Selbstbewusstsein. „Und zugleich verstehen sie besser, warum sie beispielsweise Mathe und Physik lernen müssen, denn als Tischler und Elektrotechniker brauchen sie diese Kenntnisse in ihrem Arbeitsleben.“ Auch die Eltern der Schüler spielen eine große Rolle in dieser frühen Phase der Berufsorientierung und werden von Anfang an mit beteiligt.
In den Unternehmen kümmert sich ein sogenannter „Un-Ruheständler“ um die Jungen. Einer wie Obermonteur Bernd Lügering, der 46 Jahre lang bei der Heinrich Voss Gebäudetechnik GmbH in Haselünne tätig war. In der „GenerationenWerkstatt“ baut er mit sechs Schülern der Bödiker-Oberschule in Haselünne eine überdimensionale Panflöte aus Leitungsrohren, die später auf dem Schulhof als Klangelement dienen wird. „Ich freue mich darüber, meine Kenntnisse weiterzugeben und so hoffentlich Interesse an unserem Handwerk wecken zu können.“
Die „GenerationenWerkstatt“ bringt ganz gezielt Handwerk und Schulen zusammen. „Diese Form der Berufsorientierung ist aus meiner Sicht eine weitere Möglichkeit, die Abbrecher-Quoten während der Berufsausbildung zu reduzieren“, meint Peter Schade, Schulleiter der Oberschule Dörpen, die 2015 erstmals beim Projekt mitmachte. Drei Achtklässler der Oberschule nahmen an der „GenerationenWerkstatt“ in der Firma Otto u. Ernst Cordes in Kluse-Steinbild teil. Sie bauten ein Wasserspiel für den Schuleingang und stellten sich dabei so geschickt an, dass sie am Ende alle einen Ausbildungsplatz angeboten bekamen.
„Bei der ‚GenerationenWerkstatt’ gibt es nur Gewinner“, sagte Hirnforscher Gerald Hüther, der auf Einladung der Ursachenstiftung einen Vortrag zum Thema in der Handwerkskammer hielt. Die Schüler erleben einen Beruf hautnah, entwickeln Interessen und werden bei der Berufsfindung gestärkt. Die Betriebe sichern sich dadurch ihren Nachwuchs und den Un-Ruheständlern macht es Spaß, ihre Erfahrung an die kommende Generation weiterzugeben.
An Ideen mangelt es den Unternehmen, die beim Projekt mitmachen, bisher nicht: Beim Autohaus Sinus Hindriks in Veldhausen restaurierten vier Schüler der Wilhelm-Staehle-Schule aus Neuenhaus einen alten Opel Calibra. Bei der Firma Hülsmann Edelstahl in Bersenbrück bauten einige Schüler der Von-Ravensberg-Schule einen Edelstahlgrill. Und beim Bauunternehmen und Planungsbüro Günter Terfehr in Rhede (Ems) bauten Schüler der nahe gelegenen Ludgerusschule eine ganze Hausecke nach Plan. Sogar kleine Betriebe wie der Malerbetrieb „Ronne der Maler“ in Melle waren nach anfänglicher Skepsis mit Begeisterung dabei. In der Ratsschule Melle bauten die Handwerker zusammen mit Schülern eine Lerninsel.
„Für 2016 gibt es bereits mehr als 30 Anmeldungen für das Projekt“, so Koordinatorin Renate Beineke von der Ursachenstiftung. Mehr als zehn neue Handwerksbetriebe und
neun neue Schulen wollen erstmals eine "GenerationenWerkstatt" durchführen. Zum Erfolg des Projekts trage auch die gute Vernetzung von Stiftung, Betrieben, Schulen und Institutionen des Handwerks vor Ort bei. „Die Ursachenstiftung ist seit dem letzten Jahr Mitglied im ‚Netzwerk Bildung – Stiftungen für die Region Osnabrück’. "Außerdem arbeiten wir sehr erfolgreich mit der Servicestelle-Schule-Wirtschaft (SSSW) im Landkreis Osnabrück zusammen.“
Wer mehr über die Ursachenstiftung und ihr Projekt „GenerationenWerkstatt“ erfahren will, findet erste Informationen auf der neu gestalteten Website der Stiftung www.ursachenstiftung.de und im aktuellen Handbuch der „GenerationenWerkstatt“. Kontakt: Renate Beineke: 0151/12723208.
(Regine Bruns)
GenerationenWerkstatt-Unternehmen 2015:
Amelingmeyer Metallbau GmbH, Osnabrück
Berner Ladenbau GmbH & Co. KG, Osnabrück
Elektro Horstmann GmbH, Osnabrück
EST Elektro-Steuerungs-Technik GmbH, Wallenhorst
Stavermann GmbH, Wallenhorst
emt automation GmbH, Wallenhorst
Wurst Stahlbau GmbH, Bersenbrück
Hülsmann Edelstahl GmbH & Co. KG, Bersenbrück (2x)
Ronne. Der Maler, Melle
Günter Terfehr Bautechniker GmbH & Co. KG, Rhede (Ems) (2x)
Hahn GmbH & Co. KG, Papenburg
Kuhr GmbH & Co. KG, Papenburg
Cordes GmbH & Co. KG, Kluse-Steinbild
Autohaus Sinus Hindriks e.K., Neuenhaus
Anton Meyer GmbH & Co. KG, Neuenhaus
Heinrich Voss Gebäudetechnik GmbH, Haselünne
Bildunterschrift:
Ein Betrieb von Vielen: Auch die Anton Meyer GmbH aus Neuenhaus engagierte sich.
(Bildquelle: Bruns)
